Ruhrdeutsch

Ruhrgebiet – Deutsch

Das Wörterbuch zur Sprache des Ruhrgebietes

Im Laufe der Jahrhunderte haben sich viele Dialekte gebildet. Der Dialekt des Ruhrpotts ist dabei nicht immer leicht zu verstehen (weist er doch neben einer anderen Aussprache auch einen anderen Wortschatz und Satzbau auf), er entstand aus verschiedenen Sprachbesonderheiten und Mundarten. Das Ruhrpott wird auch „Kumpelsprache“ genannt. Damit ihr euch verständigen könnt, haben wir euch ein paar Vokabeln und einfache Sätze zusammengestellt.

Grundsätzliches

Im Ruhrgebiet gibt es keine Geschlechtertrennung. Daher werden persönliche Fürwörter wie „sie“, „er“ und „es“ durch ein wohlwollendes „et“ oder „dat“ ersetzt.

Die bekannte Verkleinerungsform „-chen“ wird ersetzt durch „-ken“. So wird bspw. ein Bierchen zu Bierken oder Häuschen wird zu Häusken.

So genannte Bindewörter werden, wie es das Wort selbst schon sagt, gebunden gesprochen. So wird z.B. aus „wenn du“ ein „wenne“ oder „wenn sie“ ein „wennse“. Variaten gibt es sowohl in Schreibweise, als auch in der Aussprache: ein „könnt ihr“ kann als „könnta“ oder als „könnter“ geschrieben und auch ausgesprochen werden, also das endene „-r“ wir auch gerne zum „-a“. Das liegt an den unterschiedlichen „Regiolekten“: in Dortmund herrscht eine stärkere westfälische Prägung, in Duisburg eher niederrheinisch – aber alles gehört zum Ruhrpott.

Aber: wie oben gelernt: es gibt keine Geschlechtertrennung, daher kann sowohl „wennse“ oder „wenner“ („wenn sie“ oder „wenn er“) zu einem „wennet“ als auch ein „kannse“ oder „kanner“ („kann sie“ oder „kann er“) zu einem „wennet“ oder „kannet“ abgewandelt werden.
Und da wir schon einmal dabei sind die Geschlechter nicht zu trennen, erklärt sich fast von alleine, dass „bei dem Vater“ zu „beim Vadder“ wird und „auf die Kirmes“ mit einem lockeren „auffe Kirmes“ daher kommt.

Was auch noch auffällig in dieser schönen Sprache ist, ist, dass man hier grundsätzlich alles zusammenzieht, vor allem in der Aussprache: „sinnwa“, „kommaummeEcke“, „gehmagucknalte!“ („sind wir“, „komm mal um die Ecke“, „geh mal gucken, Alte“). Also immer gut hinhören, bei schnell sprechenden Leuten ist es noch schwieriger.

Eine weitere Möglichkeit – wie gesagt: Möglichkeit: man muss, braucht aber nicht alles in Kombination anwenden, jedem so, wie es ihm gefällt – ist es, alles mit „m“ in der Mitte als Doppel-M auszusprechen. Dies eignet sich prima, um das Zusammenziehen der Wörter in der Aussprache hinzubekommen. „Omma gehse ma anna Bude!“ („Oma, gehst du bitte gleich zur Trinkhalle“).

Selbstverständlich gibt es das auch in der Form des „b“: „abba“, „gibbet“ und in allen weiteren Buchstaben, die man so benutzen möchte.

Auch gern genutzt, in keinster Weise übrigens böse oder abwertend gemeint, sind Wörter wie „Alte!“ oder „Alter“, gerne auch in Kombination mit „Bohr, Alter!“ oder „Bohr, Alte, ey!“. Das sind lediglich normaler Ausrufe, welche in die Allgemeinheit gebrüllt werden. Natürlich wird auch hier das „Alter“ dann abgewandelt in „Alta!“.

Sagt euch jemand „Tach!“, dann ist es im Hochdeutschen der „Tag“. Ein „g“ wird bei uns gerne mal zum „ch“, egal ob „sachma“ („sag mal“) oder „mag“ wird zu „mach“. Ein „mach“ im Hochdeutschen ist dann übrigens meisten ein „tun“, es kann aber auch durchaus in der Hochdeutschen Form genutzt werden … oder auch gemischt.

Und, was euch jetzt bestimmt beim Lesen aufgefallen ist: der Satzbau ist eigentlich immer anders als im Hochdeutschen, es gibt hier allerdings keine Regeln: man spricht, wie einem der Schnabel gewachsen ist. Wird es dann doch mal für den Gegenüber zu unverständlich, gibt es bspw. nachfragen wie „Hä?“, „Altaaaa, wat sachste?“ oder „Wat willste?“. Dann wählt man einen anderen Satzbau, vielleicht ein paar andere Wörter und dann geht es schon.

Vokabeln

Ruhrdeutsch Deutsch
Kinners / Blagens Kinder
Wat sachse? Was hast du gesagt?
Kopp Kopf
Malochen (Bsp: „bin am malochen dran!“) Arbeiten („ich bin am arbeiten!“)
Hasset Hast du es?
Willse / Wollnse Möchtest du? / Möchten Sie?
Absacker Verdauungsschnaps
Babbel Mund
Bäuerkes machen Aufstoßen
sich beömmeln lachen
Blaumann Arbeitsanzug in Blau
Bottich Toilette
Hassenichgesehn Ende einer Aufzählung ähnlich und so weiter
hinnemachen sich beeilen
Taxi-Teller Teller mit Currywurst und Dönerfleisch, Pommes und Mayo
Pampa ein Ort an dem nichts zu finden ist
Pimpernellen kriegen sich über etwas aufregen
Plörre Ungenießbares Getränk
Rentnerfrühstück ein Bier und ein Schnaps (auch Herrengedeck)
Schisselameng wertloses, unnützes Zeug
wattweisich Ende einer Aufzählung
verkasematuckeln erklären
Zappenduster (jez is Zappenduster) (Jetzt ist) Schluss / Ende

 

Wie man mit uns sprechen kann

Am besten kann man mit einem Ruhrgebietler sprechen indem man seine Sprache nutzt. Man darf nur nicht immer sinnvolle Antworten erwarten.

Möchtest du z.B. Fragen wie es jemandem geht, dann fragst du: „Wie isset?“
Als Antwort kommt dann meistens: „Muss …“

Wenn der Pottler gute Laune hat, dann wird er vielleicht noch Fragen: „Und sonst?“
Dann Antwortest du am besten mit: „Muss auch …“

Hier haben wir euch ein paar Mögliche Dinge zusammengestellt:
Begrüßungen:
Mahlzeit, Tach auch, Tach, wie isset?, wat gibbet?, Glück Auf.
Verabschiedungen:
Tschüss, Hau rein, Machet gut, Lass knacken, Schüssikowski, Ich muss, oder aber wieder Glück Auf.
Antworten auf Fragen:
Muss, wie immer, jo, jep, ach weisse

Hilfreiche Sätze für die Kommunikation im Ruhrgebiet

Bier bestellen: „Tu man nen Pilsken“.

Wenn man ein Wasser bekommt statt einem Bier: „Alter! ich hab Brand, will mich nich waschen!“

Currywurst mit Pommes und Mayo bestellen: „Pommäs Schranke unne Currywurst, un für de alte da ne Frika“. (Hier wurde nun auch für die Ehefrau eine Bulette mitbestellt.)

Wenn man die Aufmerksamkeit eines Menschen haben möchte (z.B. vom Kellner): „Hömma!“

Willst du wissen wohin jemand gehen möchte, dann fragst du ihn: „Wo gehse?“

Du willst etwas kaufen und den Preis erfahren? Frage den Verkäufer: „Sach ma ne Hausnummer!“

Wenn dir der Preis dann zu hoch ist, dann sagst du am besten: „Janz schön happich!“

Wenn euch jemand etwas fragt

Wenn euch jemand etwas fragt und ihr habt es nicht verstanden, dann ist die beste Antwort immer: „Wat sachse?“. Hier kann man aber auch zu dem gängigen „Hä?“ greifen, welches grundsätzlich gerne als Füllwort genutzt wird.

Damit das nicht zu häufig vorkommt, hier noch ein paar Erklärungen:

„Geh ma wech, hab Rücken!“ – Darf ich Ihren Sitzplatz haben, ich habe Rückenschmerzen.

„Wo kommse n wech?“ – Wo kommst du denn her?

„Hömma, hasse Glas?“ – Hallo, würden Sie mir bitte das Glas dort reichen?

„Weisse watte bis? Deinen Absatz am verlieren dran, dat bisse.“ – Junge Frau, Ihr Schuh ist kaputt!

„Tu dat Mäh ei und tu die Omma ma winken!“ – „Streichel das Schaf und winke der Oma!“

Achja, und „Leck mich anne Füße“ ist übrigens keine Aufforderung, sondern heißt so viel wie „das glaube ich nicht, wirklich?“

Das Verhalten beim Essen bestellen

Wenn ihr etwas zu essen bestellen wollt, dann gibt es gewisse Grundregeln die zu beachten sind. So gibt es zum Beispiel keine Mehrzahl. So wird man, um 2 Bratwürste zu bestellen lediglich sagen „2 Bratwurst, bidde“.

Wichtig ist auch, dass man nichts bekommt, sondern etwas ist. (Nicht „isst“ von „essen“, sondern „ist“):

So ist es üblich, dass die Bedienung fragen wird: „Bist du das Schnitzel?“

Wenn ihr dann richtig punkten wollt, dann antwortet ihr am besten mit:

„Ne, ich bin ne Currywurst, der ist dat Schnitzel. Aber Pilsken sinnwa beide!“ („Nein, ich habe die Currywurst bestellt, mein Freund hier gegenüber das Schnitzel. Aber wir haben beide je ein Bier bestellt!“)

Übung

Um zu testen, ob ihr auch gut aufgepasst habt verabschieden wir uns im gepflegten Ruhrpottdeutsch:

Hömma, gut dasse jez unsere Sprache lernen tus. Ich denkma, dasse jez auch weiss watse dia hiea verkasematukeln wolln. Dat mit et Veranstaltung wird bestimmt ne mords Gaudi. Wenn et nich wie ausse Eimer schüttet. Aber wat zu futtern seita ja jez.

So, ich muss, lass knacken, machet jut.

Glück Auf!